»Wir leisten einen aktiven Beitrag, von dem unsere Kunden direkt profitieren werden.«
SALCOS® Stahl wird die Stahlrohrherstellung bei Mannesmann Line Pipe in Zukunft nachhaltiger und CO2-reduzierter gestalten. In Siegen gaben Geschäftsführer Andreas Betzler und Verkaufsleiter Konrad Thannbichler interessante Einblicke und Ausblicke rund um das Thema.
Die Salzgitter AG befindet sich im Transformationsprozess hin zu CO2-reduziertem Stahl. Bei Mannesmann Line Pipe wurde schon im August 2024 ein erstes SALCOS® Coil verarbeitet. Ein Meilenstein für das Unternehmen?
Andreas Betzler: Auf jeden Fall! In der über 130-jährigen Firmengeschichte waren Innovationen schon immer Teil der Mannesmann-DNA. Das große Interesse an CO2-reduzierten Produkten aus unserem Haus zeigt, dass das Thema auch bei unseren Kunden eine zunehmend wichtige Rolle spielt.
Werden Sie in Zukunft dann nur noch CO2-reduzierte Produkte anbieten?
Konrad Thannbichler: Nein. Selbst wenn wir das wollten, ist das kurzfristig gar nicht möglich. Wir sind dazu auf CO2-reduziertes Vormaterial angewiesen. Mit großen Verfügbarkeiten ist aber kurzfristig nicht zu rechnen. Bis der gesamte Prozess innerhalb der Salzgitter AG abgeschlossen ist und große Mengen verfügbar sind, wird es noch eine Zeit lang dauern.
Wie werden Sie diese Zeit nutzen?
Andreas Betzler: Gemeinsam mit Kunden und Partnern können wir gezielt Produkte und Märkte weiterentwickeln. Ich denke hier zum Beispiel an die Offshore-Windenergie. Es wäre schon paradox, wenn der Stahl für Offshore-Windparks weiterhin aus der billigsten Lieferkette und aus CO2-intensiver Herstellung käme. Darüber hinaus zählen wir unter anderem auch auf die Baubranche, die ja ebenfalls ihre Ziele in Richtung Klimaneutralität erreichen muss.
Benötigen Sie auch noch Zeit, bis sie das CO2-reduzierte Vormaterial verarbeiten können?
Konrad Thannbichler: Von der technischen Seite her stellt die Verarbeitung des SALCOS® Stahls keine große Herausforderung für uns dar. Das haben wir mit der Produktion im August 2024 bereits in der Praxis bewiesen. Die Produkte erfüllten aus dem Stand heraus höchste Spezifikationen und sind, wie in diesem Fall, nach Kundenvorgabe zum Beispiel bereits H2-ready.
Gibt es Grenzen für den Einsatz CO2-reduzierter Stahlrohre?
Konrad Thannbichler: Die Material- und Produkteigenschaften werden auch mit SALCOS® Stahl in der gewohnten Qualität zur Verfügung stehen. Dazu stehen wir permanent in enger Abstimmung mit den Werkstoffexperten der Salzgitter Flachstahl GmbH. Sobald uns SALCOS® Vormaterial für die jeweiligen Rohrdurchmesser und Wanddicken zur Verfügung steht, werden wir diese auch anbieten und einsetzen.
Das große Interesse an CO2-reduzierten Produkten aus unserem Haus zeigt, dass das Thema auch bei unseren Kunden eine zunehmend wichtige Rolle spielt.
Andreas Betzler, Geschäftsführer Mannesmann Line Pipe
Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und erfolgreichem Abschluss eines berufsbegleitenden Studiums zum Diplom-Kaufmann folgten für Andreas Betzler zunächst knapp 13 Jahre Tätigkeit bei den Hüttenwerke Krupp Mannesmann, kurz »HKM«, in Duisburg. Im Februar 2016 wurde er zum Geschäftsführer bei Mannesmann Line Pipe bestellt. Er verantwortet die Ressorts Einkauf, Controlling, IT, Personal und Rechnungswesen sowie Vertrieb und Marketing.
Die Material- und Produkteigenschaften werden auch mit SALCOS® Stahl in der gewohnten Qualität zur Verfügung stehen.
Konrad Thannbichler, Leiter Verkauf Mannesmann Line Pipe
Der 57-jährige Betriebswirt ist im bayerischen Traunstein geboren und inzwischen seit 22 Jahren bei Mannesmann Line Pipe im Siegerland. Er leitet den Verkauf weltweit und hat in dieser Zeit mehrere Produktinnovationen und Programmerweiterungen mit eingeführt.
Welchen Nutzen werden die neuen Produkte Ihren Kunden bringen?
Andreas Betzler: Der Pfad Richtung Klimaneutralität ist ja vorgegeben. Das ist aus meiner Sicht auch alternativlos unter dem Aspekt der angestrebten Klimaziele Deutschlands und der EU. Wir leisten hier einen aktiven Beitrag, von dem unsere Kunden direkt profitieren werden.
Konrad Thannbichler: Unsere CO2-reduzierten Produkte schlagen sich direkt in den Umweltbilanzen unserer Abnehmer nieder. Die notwendigen Nachweise und Zertifikate dazu können wir selbstverständlich liefern. Und jeder Interessent ist eingeladen, zu uns in die Werke zu kommen, um sich anzusehen, wie wir das machen.
Stichwort Wasserstoff. In diesem Anwendungsbereich ist Mannesmann Line Pipe ja bestens vernetzt. Welche Tendenzen zeichnen sich hier ab?
Konrad Thannbichler: Hier haben wir schon alle Entwicklungsphasen miterlebt: Von riesiger Euphorie bis zu großer Ernüchterung hat diese neue Branche schon alles gesehen. Das ist aber auch ein Stück weit normal bei einem Transformationsprozess dieser Größenordnung.
Andreas Betzler: Wir haben uns frühzeitig engagiert und in der Wasserstoffbranche einen starken Platz gefunden. Wir profitieren von unserem Netzwerk ebenso, wie die Wasserstoffindustrie und deren Kunden von unserem Engagement profitieren.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die nähere Zukunft?
Andreas Betzler: Die mittel- und langfristigen Ziele dürfen nicht aus den Augen verloren werden. Dazu zählen der Ausbau des Wasserstoffkernnetzes und der erforderliche Wasserstoffhochlauf für Anwender und Produzenten. Hinzu kommt der Ausbau des Stromnetzes zur Einbindung regenerativer Energien.
Konrad Thannbichler: Wir sind innovativer Vorreiter in einem umfangreichen Transformationsprozess und benötigen Planungssicherheit und fairen Wettbewerb. Dazu gehören auch Projekte und Ausschreibungen, die nicht nur den günstigsten Preis in den Vordergrund stellen, sondern eben auch entsprechende CO2-Bilanzen einfordern. CO2-reduziertes Material gibt es – zumindest vorerst – nicht zum Nulltarif.
