Mittleres Waldviertel flüssig versorgt
Um das grundwasserarme Waldviertel für die Folgen des Klimawandels fit zu machen, baut die EVN Wasser GmbH eine Transportleitung von Krems nach Zwettl. Mit den HFI-geschweißten Stahlrohren von Mannesmann Line Pipe ging das teilweise schneller als gedacht.
Österreich wird oft um seinen Wasserreichtum beneidet, doch variieren die Grundwasserreserven und Trinkwasserbedarfe regional sehr stark. Mit dem Bau einer 60 Kilometer langen Transportleitung setzt die EVN Wasser GmbH ein klares Zeichen, um die Wasserverfügbarkeit in der Region Mittleres Waldviertel sicher und nachhaltig zu gewährleisten.
Viel Grundwasser in Krems, zu wenig in Zwettl
Die neue Leitung beginnt im Brunnenfeld Grunddorf/Donaudorf bei Krems, das über ausreichende Grundwasser-überschüsse verfügt, und endet in Zwettl. Die Fertigstellung der umfangreichen Infrastrukturmaßnahme ist für Herbst 2025 geplant. Das Investitionsvolumen beträgt rund 50 Mio. Euro.
Fünf Jahre Bauzeit
Der Spatenstich für das in drei Bauabschnitte unterteilte Projekt fand bereits im Juli 2020 statt. Die ersten Abschnitte wurden 2022 bzw. 2024 fertiggestellt, der dritte Leitungsabschnitt befindet sich derzeit im Bau. Neben der Versorgungsleitung sind für den reibungslosen Betrieb auch drei Hochbehälter entlang der Strecke nötig. Sie dienen einerseits als Trinkwasserreserve und schaffen darüber hinaus die technischen Voraussetzungen zur Drucksteigerung in der Leitung: Vom Brunnenfeld in Grunddorf/Donaudorf bis Zwettl müssen rund 450 Höhenmeter überwunden werden.
Anspruchsvolle Trassenführung
Auf einer Baustellenlänge von 60 km hält der Untergrund einiges an Herausforderungen bereit. »Je nach Härte heißt es sprengen, fräsen oder graben, um danach die neuen Rohre verlegen zu können«, so EVN-Projektleiter Markus Eschelmüller. »Wir hatten Querungen von Bahngleisen, Schnellstraßen, Gewässern und Gaspipelines«, zählt der Projektleiter auf. »Dabei haben wir so gut wie jedes Verlegeverfahren angewendet: Horizontal- und Spülbohrungen sowie offene und geschlossene Ge-wässerquerungen mit Bohrungen.«
Die Verlegung von Rohrsträngen von bis zu einem Kilometer Länge erwies sich als zeit- und kosteneffizient und ermöglichte eine frühzeitige Fertig-stellung des zweiten Bauabschnitts.Markus Eschelmüller, Projektleiter EVN Wasser
Foto: © EVN
Zeit- und kosteneffizient: Die Rohre wurden zu Strängen von bis zu einem Kilometer Länge verschweißt und in einem Arbeitsgang in die Künetten verlegt. Foto: © EVN
Eingespielte Logistik mit Alpe Pipe Systems
Im zweiten Bauabschnitt kamen 10,5 km HFI-geschweißte Stahlrohre zum Einsatz, die vom Tiroler Unternehmen Alpe Pipe Systems über einen Zeitraum von rund einem Jahr punktgenau und zuverlässig angeliefert wurden. Die von Mannesmann Line Pipe in Hamm hergestellten Stahlrohre wurden PE-umhüllt und mit Zementmörtel ausgekleidet, um höchsten Korrosionsschutz zu bieten.
Thorsten Schmidt, der den Auftrag für Mannesmann Line Pipe von Beginn an begleitete, betont: »Gemeinsam mit unserem langjährigen Vertriebspartner, der Firma Alpe Pipe Systems, konnten wir unsere Expertise in Kombination mit punktgenauer Logistik ins Spiel bringen.« Zusätzlich wurden im Zuge des Projekts weitere Optimierungen bezüglich der Rohrlängen und Abwinkelungen in den Muffen getroffen.
Zeit- und kosteneffiziente Verlegung
Die gelieferten Rohrlängen von 8 bis 15,5 Metern, versehen mit der erprobten Einsteckschweißmuffe, ermöglichten eine Verlegung im Schnelldurchgang. Die Rohre wurden zu Strängen von bis zu einem Kilometer Länge verschweißt, nachumhüllt und in nur einem Arbeitsgang in die vorbereiteten Künetten abgesenkt. Dieses Verfahren erwies sich als zeit- und kosteneffizient und ermöglichte eine schnellere Fertigstellung des Bauabschnitts als geplant.
Zuschlag auch für dritten Bauabschnitt
Aufgrund der reibungslosen Logistikleistungen und der ausgezeichneten Erfahrungen bei der Verlegung produzierte Mannesmann Line Pipe auch für das dritte Baufeld. Hier kommen weitere rund 10 km HFI-geschweißte Stahlrohre DN 500 mit einer Wanddicke von 6,3 mm mit der gleichen Außen- und Innenbeschichtung wie im zweiten Bauabschnitt zum Einsatz. Geliefert wird wieder, wie zuvor bestens erprobt: über die Alpe Pipe Systems von Hamm per Lkw just in time an die Baustelle im Waldviertel.
Sichere Versorgung für rund 120.000 Einwohner
Mit der Inbetriebnahme im Herbst 2025 ist die Versorgung des traditionell grundwasserarmen mittleren Waldviertels in den Bezirken Zwettl, Gmünd und Waidhofen an der Thaya nachhaltig gesichert. Dann sind rund 120.000 Einwohner dauerhaft flüssig versorgt.
Bei schwierigen Bodenverhältnissen wurden auch Fräsaufsätze zur Herstellung der Rohrtrasse verwendet. Foto: © EVN
Die EVN Wasser GmbH
EVN Wasser ist als 100%ige Tochtergesellschaft der EVN AG für den Bereich der Trinkwasserversorgung in Niederösterreich zuständig. Das Unternehmen ist der größte Wasserversorger Niederösterreichs und versorgt derzeit 799 Katastralgemeinden mit über 615.000 Einwohnern mit Trinkwasser. Foto: © EVN
